Die Neebs in Saulheim
In der Chronik Saulheims wurde festgehalten, dass Dr. Johannes Baptist Neeb im Jahren 1803 nach Nieder-Saulheim kam. Er wurde in Saulheim nicht nur für viele Jahre ein erfolgreicher Gutsbesitzer und kaufte das Dienheimer Schloss in dem Schlossgässchen, sondern er wurde auch über 38 Jahre Amtszeit Bürgermeister. Sein Sohn Augustinus übernahm dieses Amt für weitere 7 Jahre.
Kostenloser Workshop
Familie NEEB
Johannes Baptist Neeb, Dr. der Theologie und der Philosophie. 1767/1843
Was war Johannes Neeb für ein Mensch?
Es sind verschiedene Biographien über ihn verfasst worden:
– Der Nachruf zu seinem Tod 1843 in der Darmstädter Zeitung
– Die Familiengeschichte Neeb, verfasst von seinem Enkel, Geheimer Baurat Heinrich Stieler aus Darmstadt (Sohn von Neebs zweitjüngster Tochter Katharina, die am am 21. Juni 1819 zur Welt kam)
– Auch der Nieder-Saulheimer Chronist Jakob Koehler schrieb eine Zusammenfassung über Neebs Leben.
– Neebs Enkel Damian, der 1843 geboren wurde und von Josephus Augustinus stammt, verfasste einige Zeilen über seinen Großvater. Diese Schrift wurde von Karl Ludwig Neeb aus Essen, wohnhaft in der Henri-Dunaut-Straße, verfasst (??). Laut Berufsangabe war Damian Neeb Rechnungsrat. Allerdings ist nicht bekannt, wo er der Tätigkeit nachging.
– In diversen Nieder-Saulheimer Vereinsfestschriften erschienen auch einige Abhandlungen über Johannes Neeb. Eine der umfangreichsten stammt aus der Festschrift des Gesangsvereins „Concordia1861 Saulheim“ aus dem Jahr 1952.
Was weiß man sonst noch über Neeb?
Fündig wird man vor allem in seinen „vermischten Schriften“, herausgegeben 1817 in der Hermannschen Buchhandlung in Frankfurt sowie die 1846 in der G. Faberschen Buchhandlung in Mainz herausgegebenen „hinterlassenen Schriften“ .
Zu erwähnen sind außerdem verschiedene Artikel in Zeitschriften der damaligen Zeit zum Beispiel „der Katholik“.
Über Neebs Familie ist wenig bekannt. 1804 kam Johannes Baptist
Neeb nach Niedersaulheim und wurde am 5. März 1805 Bürgermeister von Nieder -und Obersaulheim bis 1842.
Neeb kam als Professor und nicht als Bauer auf das Hofgut nach Niedersaulheim. Gemeinsam mit seinem Verwalter Peter Jung war er ein erfolgreicher Gutsbesitzer, was Neeb selbst häufig betonte.
Neeb brachte seine Haushälterin Anna Maria Dracht nach Niedersaulheim mit, die schon in seinen Diensten war, als Neeb noch in der Mainzer Münstergasse lebte.
1805 heiratete Neeb Anna Maria Dracht. Am 10. Feb 1809 verstarb sein Sohn Louis Jacques und drei Tage später seine Frau.
Im selben Jahr 1809 heiratete Neeb Sophie Balbier aus Wöllstein, die 1810 im Kindbett verstarb. Über das Schicksal des Kindes gibt es keine Aufzeichnungen. Wahrscheinlich ist, dass es ebenfalls verstarb. Eine Sterbeurkunde liegt nicht vor. Möglicherweise war es eine Frühgeburt oder das Kind war noch nicht getauft.
1810 heiratete Neeb erneut. Seine dritte Frau war Catharina Axt, Tochter des Wundarztes August Axt aus Bingen am Rhein. Am 3. Juni 1812 kam ihr erstes Kind Johannes Augustinus auf die Welt. Er erhielt den Namen des Großvaters mütterlicherseits. Im Alter von nur fünf Monaten verstarb der Junge.
In seinen Schriften erwähnte Neeb seine Familie oder sein Privatleben nur selten. Einmal schrieb er in seinen „vermischten Schriften“ (Seite 29): „An meinen Sohn am Tage seiner Geburt“
Oder auf Seite 34 über seinen Sohn Johannes Augustinus: „Ja wohl ist dieser dritte Julius ( Juli ) der merkwürdigste Tag deines Lebens: Dein Sterbefest ist es zwar eben so: aber als zweiter Geburtstag gehört er mehr der Geschichte deines anderen Lebens an.“
Auf Seite 31 schrieb er: „Wahrhaftig die Mutter hat Recht: deine Äugelein sind zwei liebliche Vergissmeinnicht. Die blaue Farbe hat auch der Himmel sich zu seinem Feierkleide ausgesucht.“
Eine sehr bewegte und philosophische Geschichte über seinen Erstgeborenen.
Am 13. Oktober 1813 wurde Johanna Maria geboren, die sich auch später Janette nannte. Johanna wird mehrmals erwähnt. Zum einen auf der Todesanzeige des Vaters von 1843 oder im Adressbuch der Stadt Mainz von 1868 als „Privatin“, Rentnerin, wohnhaft in der Großen Langgasse 5. Und ebenso bei der Versteigerung der Immobilie ihres Bruders Josephus Augustinus Neeb im Jahr 1855. Auch ihre Liegenschaften wurden versteigert.
Am 16. Juli 1815 wurde erneut ein Sohn geboren, Josephus Augustinus. Er wird oft erwähnt. Mit 21 Jahren heiratete er Elisabetha geb. Blum, auf der Heiratsurkunde steht als Beruf „Bürgermeister Sekretär“. Die Familie hatte sechs Kinder. 1842 übernahm er das Bürgermeisteramt von seinem Vater und hatte es bis 1849 inne. Im April 1855 wurde seine Immobilien, Felder, Weinberge und Wiesen versteigert. Um 1858/59 verzog die gesamte Familie nach Bischofsheim, wo Aug. Neeb als Bahnhofsvorsteher der Main-Rheinbahn tätig war. Am 10. Februar 1859 verstarb seine Frau Elisabetha in Bischofsheim.
Am 29. September 1860 heiratete er Margaretha Pricken aus Mainz. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: Ernst Franz, geb. 1861, später Kunsthistoriker, Ehrenbürger von Mainz und Jakob Karl, geb. 1863.
Über den 1817 geborenen Damian Neeb ist weniger bekannt. Er heiratete 1843 Barbara Weyerhäuser, die Tochter des wohlhabenden Bauern Philipp Jakob Weyerhäuser. Sie hatten sieben Kinder Erwähnt wird Damians Sohn Jakob Neeb, Schlossermeister aus Mainz, als Spender der Türbeschläge an der evangelischen Kirche von Niedersaulheim.
Johannes Friedrich Neeb kam 1818 zur Welt, verstarb allerdings noch im selben Jahr. Maria Katharina Neeb wurde am 21. Juni 1819 geboren. Da ihre Mutter 1820 verstarb und ihr Vater mit “ geistigen Dingen “ beschäftigt war, wuchs sie in Darmstadt bei Familie Kleinsorge, die Bekannte der Neebs waren, auf. Mit elf Jahren kehrte Katharina wieder nach Niedersaulheim zurück.
Am 18. Dezember 1820 verstarb Catharina geb. Axt mit ihrer Tochter Maria Magdalena im Kindbett, „um 5.Uhr in der Früh“
1822 starb Catharinas Mutter Anna Maria Axt und 1826 ihr Ehemann Augustinus Axt. Beide wohnten in Niedersaulheim. Ihre Tochter und die verstorbenen Enkelkinder sind auf dem Kirchplatz an der Bartholomäuskirche beigesetzt. Johannes Baptist Neeb ist 1843 auf dem 1830 neu angelegten Friedhof zur letzten Ruhe gebettet worden, er starb an den Folgen eines Schlaganfalls.
1844 versteigerten seine Kinder J. Augustinus, Damian, Katharina und Janette einen Teil des Vermögens. 1855 versteigerte Josephus Augustinus seinen Anteil und den seiner Schwester Janette. Der Erlös ging unmittelbar an deren Gläubiger Josef Striegeler, Kaufmann in Mainz, und Carl Friedrich von Moritz, königlicher Hauptmann in der Garnison Mainz.
1862 wurde die gesamte Immobilie von Damian Neeb und seiner Frau Barbara geb. Weyerhäuser versteigert. Damit hatte die Familie Neeb in Niedersaulheim keinen Besitz mehr.
Die Familiengeschichte der Neebs ist sehr bewegend und tragisch.
Dezember 2017 G.K.
RSVP


