
Schule war einst ganz anders als heute
Heute werden Kinder mit Gleichaltrigen unterrichtet, es gibt Fachlehrer und sogar Fachräume, aber wie war das in Saulheim? Was hat die Rathausapotheke mit Schule zu tun und was ist eine Simultanschule?
Was geschah in der Rathausapotheke?
Die erste Information über eine Schule in Saulheim stammt aus der Koehler-Chronik, die erläutert, das bereits 1748 in einem protestantischen Schulhaus unterrichtet wurde, aus dem später das evangelische Gemeindezentrum und noch später die Rathausapotheke werden sollte. In der Tat nutzen kleine Gemeinden zu nächst für die Schüler Häuser, die entweder durch Schenkungen an die Gemeinde geraten waren oder den Kirchengemeinden gehörten. Dann musste die Gemeinde praktischerweise nur die Instandhaltungskosten tragen. Im Jahre 1851 wurde das Haus ausgebaut und es entstand ein Lehrsaal, eine Lehrerwohnung, eine Scheune mit Stallung, sowie ein Garten. Da sich Saulheimer weiterentwickelte, tut es nicht Wunder, das bereits 1855 dort zwei evangelische Lehrkräfte der Gemeinde und Lehrer Müller aus dem Rathaus arbeiteten.

War der Lehrerberuf anders als heute?
Ja, der Lehrerberuf unterschied sich sehr von den heutigen Lehrern. Zum einen unterrichtete er im allgemeinen mehrere Klassen gleichzeitig. Pro Jahrgang gab es nicht so viele Schüler und man hatte nur ein Klassenzimmer. Daher musste der Lehrer alle Klassenstufen gleichzeitig unterrichten und die Kinder lernten Stillarbeiten zu machen, während andere gleichzeitig Aufgaben an der Tafel lösten oder abgefragt wurden.
Aus der Decker Chronik wissen wir: „So hatte der Schullehrer neben seinem Schulamt auch die Verpflichtung die Uhr auf dem Turm der Simultankirche aufzuziehen, die Uhren im richtigen Geleise zu halten, und das 10 Uhr – Läuten vor-zunehmen.“

Was Geschah im Rathaus?
Das Rathaus wurde nicht immer nur als Rathaus genutzt, denn es gab den Bedarf nach Schulsälen und im Rathaus fand sich ein Raum, den man nutzen konnte. Durch einen fensterlosen Gang – vom Amtszimmer des Bürgermeisters getrennt – kam man in einen Unterrichtsraum. Im Jahre
1860 wurde auch hier umgebaut, um die Schulsituation zu verbessern. Das Erdgeschoss des Rathauses wurde so umgebaut, dass ein Schulsaal und eine Lehrerwohnung mit zwei Zimmern und Flur entstand. Der Lehrer wohnte meistens direkt in der Schule.
Das alte kaltholische Schulhaus
Die Neupforte 6, die heute in Privatbesitz ist, wurde früher ebenfalls als Schulgebäude genutzt. Hier gab es zwei Schulsäle und auch zwei Lehrdienstwohnungen.

UNd was ist nun eine Simultanschule?
Während die Saulheimer Gemeinde stätig wuchs und damit auch mehr und mehr Kinder im Schulalter waren, kam die Gemeinde mehr und mehr in die Not nicht genug Platz für die Schüler zu haben. Dadurch ergab es sich, dass eine Simultanschule entstand, eine Schule, in der die Klassen in verschiedenen Gebäuden über den Ort verstreut unterrichtet wurden. Vom Jahr 1891 wissen wir, dass:
Die Oberklasse = 7. und 8tes Schuljahr in der ev Schule in der Weedengasse unterrichtet wurde
Hingegen das 5te und 6te Schuljahr in dem alten katholischen Schulhaus (jetzt Privatbesitz).
Das 3te und 4te Schuljahr wurde im Obergeschoss der Rathauses unterrichtet
Während das 1te und 2te Schuljahr im Untergeschoss des Rathauses war.
Die Lehrer waren oft nicht nur in einem Schulhaus tätig, sondern pendelten zwischen den Schulhäusern hin und her. Teilweise reichten auch die 4 Schulhäuser nicht aus, dann musste eine Klasse zeitlich in den Nachmittag ausweichen. im Jahre 1892 waren 266 an der Simultanschule.

Ein adels-Haus wird zur Schule
Das Herrschaftshaus Harxhausen an der Neupforte, das nach dem Wegzug des Geschlechtes ist 1888 von Frau Öhler in Mainz, einer gebürtigen Finkenauer der Gemeinde Saulheim testamentarisch vermacht worden. Dieses Gebäude war zwar zunächst noch nicht in ein Schulhaus umgebaut worden, hatte aber genug Raum, um tatsächlich mehreren Klassen ein zuhause zu sein.

