Saulheims Geschichte

Wichtige Kapitel der Ortsgeschichte

Topothek – im Aufbau

Chronik von Saulheim 

Lebenslauf eines Dorfes 

geschrieben von Günther Kaul 2025

In der Vergangenheit haben sich geschichtsinteressierte Bürger mit der Saulheimer Geschichte beschäftigt, in Archiven geforscht und Zeitzeugen befragt. Somit haben sie einen Fundus an Informationen zusammen getragen. 

Ganz ohne Internet und die uns heute zur Verfügung stehende Kommunikation. 

Einige sind hervorzuheben, wie: 

Prof. Dr. Johannes Neeb 1767-1843. Neeb  war von 1804 bis 1842 Bürgermeister von Saulheim, beschrieb in seinen umfangreichen Schriften das Landleben in unserer Region Rheinhessen. 

Jakob Koehler 1872-1962, war Schulrektor in Saulheim, hatte einige Ehrenämter inne und somit einen Einblick in das Ortsgeschehen. 

Jakob Decker 1885-1973, Decker verfasste eine umfangreiche Chronik über Saulheim zum Anlass der 1200- Jahrfeier 1963. 

Reinhard Schmuck aus dem Ortsteil Ober Saulheim war ein  „lebendes Geschichtsbuch“  Schmuck verfasste einige Bücher über seine Heimatgemeinde und die Ländliche Kultur. Ober- Saulheim war bis zur Gebietsreform im Jahre 1969 eine eigenständige Gemeinde. 

Wenn man mit offenen Augen durch unser Dorf geht sieht die Gebäude und Landschaften, wem ist bei solcher Betrachtung nicht der Wunsch gekommen, Genaueres von unseren Altvorderen die in unserem Dorf ihr Leben verbracht haben, zu erfahren und die Vergangenheit des Heimatortes, seine wechselvolle Geschichte im Laufe der Jahrzehnte zu ergründen. 

( Jakob Decker ) 

Erstmalig wird Saulheim in einer Urkunde  von 762 erwähnt, über eine Schenkung an das Bonifatius Kloster von Fulda. Ein Bürger Berhari und seine Frau vermachten dem Kloster  Häuser, Äcker, Weingärten und Wiesen. Eine weitere Urkunde über eine Stiftung aus dem Jahre 763 an das Kloster Lorch, belegt, dass ein Dorf bestand mit Namen, Einwohner und Landbesitz. Funde bei Ausgrabungen zeugen davon, dass  im Bereich Saulheim schon sehr früh eine Besiedlung bestand. Beim Bau der Wasserleitung 1937 fand man einen Steinsarkophag mit einem dachförmigen Deckel, in dem ein weibliches Skelett lag. Der Fund wurde auf das Jahr 400 n.C. datiert. Weitere Funde am Goldberg, am Bahndamm, am Kapellenberg zeugen von früher Besiedlung. Bis um das Jahr 500 war die Besiedlung von Rheinhessen noch sehr dürftig. Wir können die Entstehung der Dörfer um diese Zeit annehmen, als die Franken in das Gebiet einwanderten. Alle Dörfer mit der Endung- heim sind fränkische Siedlungen. Die freien oder adeligen Franken, die sich in der vom König zugeteilten Mark niederließen, erhielten für ihre Siedlung den Namen des Adeligen. So ist unser Dorf das Heim des Sawalo.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1200, waren die umliegenden Ortschaften von Mainz, zur Unterhaltung der Mauern und Gräben der Mainzer Stadtbefestigung verpflichtet. Dafür wurden ihnen mancherlei Vorteile gewährt: Zollfreier Kauf und Verkauf in der Stadt und bei Feindesnot Zuflucht hinter den schützenden Mauern. Die Zuteilung der Pflicht war für Sauwelnheim minor (Ober) 3 Zinnen und  Sauwelnheim minior (Nieder) 14 Zinnen. Der Saulheimer Stein mit den Schriftzügen „ VI Sauwelnheim“ ist an der Stadtmauer von Mainz am Eisgrubweg noch zu sehen. 

Die Ritter von Saulheim. Nach dem Ort nannte sich ein altes bereits im 

12. Jahrhundert erwähntes  Adelsgeschlecht, die „Ritter von Saulheim“. Wie man annimmt waren sie im Gefolge von Grafen und Dienstmännern zu ritterlichem Kriegsdienst an den Kreuzzügen beteiligt. Durch diese Dienste wurden sie in den Adelsstand gehoben. Es war allgemein Brauch der Ritter, dem Eigennamen den Namen des Dorfes  beizufügen, so auch bei dem Rittergeschlecht in Saulheim. Das Bekannteste war das Geschlecht des Ritter Hundt. 

Gebäude im Dorf. Auffallend ist, dass in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. bis zum Beginn des 30 jährigen Krieges viele stattliche Gebäude errichtet wurden. Dieses deutet auf einen gewissen Wohlstand hin, der damals im Lande geherrscht haben muss. In der Heileckergasse das Haus Sander mit einem großen Torbogen mit der Jahreszahl 1645 und den Initialen H.W.R. Der Rheinische-Hof auf dem Römer, datiert 1548. Die ehemalige Bannmühle, später Schuhmachermühle mit der Jahreszahl 1617. Das Schloss in der Schlossgasse, auf dem Türbogen die Zahl 1588. Das Rathaus erbaut um 1571. Das Haxthäuser Schloss (altes Schulhaus) erbaut im 

16. Jahrh. Im Vogelgesang das Alte-Haus, ehemals Kloster der Brüder von Kloster Eberbach, urkundliche Erwähnung  1354. 

Rebellion in Saulheim. Schon vor der franz. Revolution gab es auch in Rheinhessen Unruhen die sich gegen die Herrschaft der Adeligen wandten. In Saulheim rebellierten um 1780 einige Bürger. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Dorf wurden einige  in Haft genommen. Zur Überwachung der Delinquenten wurden zwei Dragoner vom Fürstliche Oberamt im Dorf einquartiert. In einem Schreiben des Schultheiß von Saulheim an das fürstliche Oberamt zu Alzey, ersucht man gnädigst um Entlassung der inhaftierten Personen. 

Kirchen in Saulheim. Auf dem jetzigen Kirchenplatz stand eine Kirche, die in einer Urkunde  1219 des Erzbischofs von Mainz Erwähnung fand. Eine spätere steinerne Kirche wurde 1344 erbaut. Sie galt auch als Wehrkirche für die Bürger bei kriegerischen Auseinandersetzungen unter den jeweiligen Herrschaftsgeschlechtern. Im Oktober 1698 erließ der Kurfürst Johann Wilhelm ein Edikt, dass die Lutheraner und die Katholiken die gleichen Rechte an der Kirche haben müssten, das sogenannte Simultaneum. In der Kirche waren 7 Altäre,  4 der Lutheraner und 3 der Katholiken. Auch 7 Glocken hingen im Turm der Kirche. Nachdem die Kirche baufällig und niedergelegt war, wurde der Kirchenplatz aufgeteilt. Der Neubau der Katholischen Neugotischen Kirche war 1873, und der evangelischen Kirche im gleichen Baustil, 1886 .   

Die März Revolution 1848 ging auch an Saulheim nicht spurlos vorbei. Einige Bürger die an den Aufständen beteiligt waren, wurden verhaftet und mit Gefängnis bestraft. Andere wanderten nach Amerika oder in sonstige Länder aus. Mit den Freiheitsbestrebungen und den Wunsch, die vielen Kleinstaaten (Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften) zu einem deutschen Einheitsstaat zu formen, wurden auch viele Vereine( Gesang-,Sport-,Arbeitervereine) gegründet. Alle waren politisch motiviert. Erste Gründung  von Saulheimer Vereinen war 1860 ein Turnverein, der dann in den Gesangsverein Germania überging. 1861 gründeten sich der Gesangsverein Concordia und 1885 der Gesangsverein Liederkranz. Eine Neugründung des Turn- und Sportvereins war 1897. 

Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen wanderten in dieser Zeit sehr viele Saulheimer  nach Amerika und  in verschiedene Länder aus, wo man sich Freiheit und Wohlstand erhoffte. In einem „Auswanderungsnachweis“ wanderten von 1783 bis 1911,  350 Einzelpersonen und ganze Familien aus. Nicht alle wurden reich und berühmt. Einer wäre zu erwähnen: Friedrich Weyerhäuser, der aus kleinbürgerlicher Familie stammte und 1834 mit 18 Jahren in die USA auswanderte. Dort stieg er mit Fleiß und Glück zum „Amerikanischen Holzkönig“ auf. Die „Weyerhäuser Holzkompanie“  besteht bis heute und ist der größte private Waldbesitzer der Welt. Kontakte nach Saulheim wurden von der Familie  lange Zeit aufrecht gehalten. 

Nach dem deutsch- französischen Krieg 1870-71 gab es einen Aufschwung in Rheinhessen. Die, die keine Opfer waren, fühlten sich wie Sieger. In den Ortschaften wurden Gedenksteine aufgestellt. So in Nieder-Saulheim die Germania auf einem Steinsockel, mit den Namen der Gefallenen und Teilnehmern des Krieges. In der Ortsmitte von Ober- Saulheim stand eine Ehrensäule mit einem Adler an der Spitze. Die prächtigen Bauernhöfe in Rheinhessen, die zwischen den Kriegen1870 und  dem 1. Weltkrieg entstanden, sind Zeugen von Wohlstand in der Region. 

Unser Dorf entwickelte sich weiter,  1871 wurde die Eisenbahn von Mainz nach Alzey gebaut. Nun war auch Saulheim an das große Schienennetz angeschlossen. 

Die Menschen, die bisher im Ort ihr Brot verdienten, konnten nun in der aufkommenden Industrie bei besserer Bezahlung Arbeit finden. Der Transport von Landprodukten musste nicht mehr mit Pferd und Wagen oder mit der Thurn- und Taxis- Gesellschaft abgewickelt werden. 

Nach einer Verordnung der Regierung, verkündete am 31.Juli 1914, der Saulheimer Bürgermeister Peter Weyerhäuser den Eintritt in den Kriegszustand. Das war der Anfang des  1.Weltkrieges. Schon am 3. August rückten die ersten Saulheimer Reservisten ein. Bereits 1915 ging das Weißmehl in Saulheim aus, die ersten Brotkarten wurden ausgegeben. Das große Elend in den Schützengräben von Frankreich und in den Weiten von Russland überlebten 67 junge Saulheimer Männer   nicht.

Die Weltwirtschaftskrise und die Inflation war auch in Saulheim zu spüren. Es herrschte auch in unserem Dorf eine große  Arbeitslosigkeit. Das war der Nährboden  des Nationalsozialismus. 

Nach 1933 veränderte sich auch einiges in Saulheim. Ein neuer Bürgermeister wurde eingesetzt, der nicht aus Saulheim kam und Anhänger des Systems war. Die Vereine wurden gleichgeschaltet. Die Gesangsvereine wurden zusammengeschlossen und hießen nun Einigkeit. Dies geschah auch mit den Sportvereinen. Ab 1933 wurden systematisch die jüdischen Bürger von Saulheim schikaniert und zur Auswanderung gezwungen, obwohl sie in unserem Dorf integriert waren und schon teils seit Generationen hier lebten. 

 Der zweite Weltkrieg  brachte in Saulheim Trauer und Elend in die Familien. 1940 mussten die Saulheimer Bürger Schutzwälle hinter den Gärten der Hintergasse bauen. 1940 kamen die ersten franz. Kriegsgefangenen nach Saulheim, diese wurden im Tanzsaal Binz untergebracht, bevor sie zu ihren Arbeitsstellen eingeteilt wurden. Ständig gingen Meldungen über gefallene Soldaten ein. Ab 1943 wurden Familien aus ausgebombten Städten in Saulheim untergebracht. Ein größerer Bombenangriff mit 7 Toten war zu beklagen, als eine Bombe direkt vor den Tunnel am Bahngelände fiel, wo sich die Menschen zum Schutz aufgehalten hatten. 

Am19. März 1945 um 8.40 Uhr kamen die ersten amerikanischen Soldaten von Wörrstadt über Ober Saulheim nach Nieder- Saulheim. Der Krieg war beendet, der Tod und Elend gebracht hatte. 73 Soldaten waren zu beklagen, ohne die Opfer in der Zivilbevölkerung. Der Kreis Alzey musste 3175 Ostflüchtlinge aufnehmen. Saulheim nahm auch eine große Zahl von Flüchtlingen aus dem Osten auf. Der Saulheimer Bürgermeister, Bernhard Bär, appellierte an die Bevölkerung  man solle die Flüchtlinge „mitfühlend und verstehend aufnehmen“ In Ober-Saulheim entstand eine ganze Siedlung für die Geflüchteten aus                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Siebenbürgen. Die Siedlung wurde von der Landsiedlung geplant und gebaut. Nach der Währungsreform 1949 ging es in Saulheim und auch in ganz Deutschland bergauf. 

G.K.  2025 

Eine umfangreiche Chronik ist nachzulesen in dem Buch zur 1250- Jahrfeier. 

Erhältlich bei der Gemeindeverwaltung Saulheim.